Achtsame Kommunikation, gewaltfreie Kommunikation – Ausbruch aus alten Mustern

Ein großes Thema, immer wieder. Es gibt etliche Bücher zu diesem Thema. Und so leicht es im Grunde ist, so scheint es wahnsinnig schwer, dies im Alltag immer umzusetzen. 

Entwickelt wurde das Prinzip der gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg mit dem Gedanken, so eine Form der Kommunikation zu schaffen, in der friedlich und lösungsorientiert miteinander umgegangen wird. Dies bedeutet letztendlich nicht nur, dass eine gewisse Einfühlsamkeit, sondern auch Weitsicht und Konsequenzbewusstsein vorhanden sein muss.

Gewaltfreie Kommunikation = achtsame Kommunikation?

Jein. Auch wenn achtsame Kommunikation natürlich ebenfalls möglichst friedlich gestaltet ist, so denke ich, dass achtsame Kommunikation noch etwas weiter geht. Geht gewaltfreie Kommunikation von Wertschätzung und dem Wunsch eine positive Beziehung zu begründen aus, bringt achtsame Kommunikation dem Gegenüber Respekt und Mitgefühl entgegen, einfach weil diese Person da ist. Ohne den Hintergedanken der Bedürfniserfüllung oder Beziehungsgründung. Achtsamer Umgang miteinander basiert auf dem (nicht anhaftenden) Mitgefühl, dass wir jedem anderen Lebewesen entgegen bringen. Denn uns eint, dass wir alle nach Glück streben. Die gewaltfreie Kommunikation ist in der Hinsicht eher zielgerichtet und man merkt, dass sie basierend auf psychologischen Lehren und Vorstellungen entwickelt wurde. Im Gegensatz dazu steht Achtsamkeit, die einfach da ist, die durch simples Ausüben kultiviert wird. Achtsame Kommunikation ist also immer gewaltfrei, gewaltfreie Kommunikation jedoch nicht zwingend achtsam. 

Die Sache mit den Mustern

Was jedoch beiden gemein ist, dass es zwingend notwendig ist, sich mit sich selbst, seinen Verhaltensmustern auseinander setzen und diese auch zu hinterfragen. (Ab und an ist es dann vielleicht auch notwendig sich hierzu fachliche Hilfe zu holen, wenn man mit der Bewältigung dessen nicht zurecht kommt. Das ist nicht nur in Ordnung, sondern auch vollkommen richtig so.) Es ist nicht leicht, Muster zu erkennen, denn im Normfall führt man sie nicht bewusst aus. Um sich ihrer gewahr zu werden ist es hilfreich, sich in Achtsamkeit zu üben. Dadurch wechseln wir im automatisierten Tagesablauf in eine aktive, bewusste Wahrnehmung dessen. Es ist wahnsinnig hilfreich, mal genau in sich selbst hinein zu hören, in sich zu spüren und auch bei anderen mal genauer hin zu sehen und zu hören. Auch hier kann sich das ein oder andere entdecken lassen. Ganz schnell kann man seine Mitmenschen da auch in einem anderen Licht sehen und erkennen, wie sehr die eigene Brille, die eingefärbte Wahrnehmung, die Sicht auf andere beeinflusst. Und somit zu bestimmten Verhaltensmustern führt. Muster erlernen wir an den unterschiedlichsten Stellen und aus den unterschiedlichsten Gründen. Viele erleichtern uns den Alltag, den Umgang mit anderen. Sie entstehen zur Vermeidung von Konflikten oder auch zur Lösung dieser. Manche Muster erlernen wir bereits in unserer Kindheit, diesen ist oft am schwersten beizukommen, weil sie so tief verinnerlicht sind. Sie haben jedoch auch den größten Einfluss und bedürfen daher immer mal wieder einer Revision. 

Und was ist mit schimpfen, fluchen, schreien?

Es passiert jedem von uns und wer Kinder hat, wird wissen, wie schnell die Geduld einfach zuende sein kann. Dann wird geschimpft und auch mal geschrien. Passiert. Auch wenn das nicht achtsam und anschreien sicher nicht gewaltfrei ist, so sind wir eben auch Menschen. Menschen mit Grenzen und permanente Überschreitung setzt uns zu. Wichtig ist, nicht verbal gewaltätig, sprich beleidigend zu sein. Das gilt besonders Kindern, aber auch anderen Erwachsenen gegenüber. Auch diese überschreiten gern mal unsere Grenzen, manchmal mutwillig oder in böser Absicht (im Gegensatz zu Kindern, die einfach versuchen uns und sich selbst zu ergründen). Und auch hier ist das Erheben der Stimme bis zum Schreien nicht selten das letzte Mittel, dieses Überschreiten aufzuzeigen. Danach fühlen wir uns meist nicht besonders gut, je nachdem, wie wir gelernt haben damit umzugehen (oder auch nicht umzugehen. Ambivalente Gefühle sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.) Hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel. Erkennen wir das Muster und noch besser, den Auslöser dessen, eröffnen sich uns andere Möglichkeiten. Manchmal werden wir die Situation lösen können, in Ruhe. Manchmal wird schimpfen und schreien trotzdem die letzte Möglichkeit bleiben. Aber wir können anders damit umgehen. Und von da aus lernen, anders in solche Situation zu gehen. 

Kurz noch etwas zum Fluchen: es ist definitiv nicht achtsam und sicher nicht unbedingt gewaltfrei. Hier jedoch ein dickes ABER: Es tut gut. Es baut Frust ab, setzt Energie frei. Im Idealfall fluchen wir vor uns hin, wenn uns keiner hören kann (ausser unseren Kindern, die hören sowas immer, egal wo und wie man vor sich hin flucht, sie haben dafür einen Radar). Und lieber einmal mehr vor sich hingemotzt, als dass wir die aufgestaute Wut bei nächster Gelegenheit jemand anderem entgegen schleudern. Fluchen für die psychische Gesundheit sozusagen (das ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu sehen).

Ein Tipp für den Alltag

Auch wenn ich wirklich jedem nur wärmstens empfehlen kann sich Meditation auszuprobieren und zu lernen Achtsamkeit zu kultivieren, so weiß ich doch, dass man dafür wirklich bereit sein muss. Und auch dauert es etwas Zeit, bis sich erste Effekte zeigen. Daher der Tipp für den Alltag. Das sprichwörtliche „Bis 10 zählen“ tatsächlich mal umsetzen. Zähle Deine Atemzüge. Nicht unbedingt bis 10, bis 3 oder 4 reicht meistens aus. Dann betrachte die Situation erneut, reagiere, antworte erst dann. Wenn Dir ein Unterschied auffällt, möchtest Du vielleicht doch einmal probieren, wie es ist, sich durch Meditation einen inneren ruhigen Raum zu schaffen, der Dich aufmerksamer durch den Tag gehen lässt.

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