Hadern – eine Übung in Geduld

Wer kennt es nicht? Wenn es kommt, dann alles auf einmal. So wie bei uns gerade. Viel auf einem Haufen. Nicht, dass es nicht irgendwie weiter ginge. Es dauert seine Zeit. Und das Timing ist einfach bescheiden. Aber das ist ja immer so. Ich bin nicht der geduldigste Mensch. Ich mag es nicht, aufgehalten werden. Ich kann es auch nicht leiden, wenn man mich oder jemanden, der mir wichtig ist, ungerecht behandelt. Und noch weniger kann ich leiden, wenn jemand versucht sich aus etwas heraus zu winden, was er selbst verbockt hat (namentlich Auffahrunfall an der Ampel). Bewerbungen über Bewerbungen, Arbeitgeber, die Fachkräftemangel bejammern, aber, wenn sie dann mal eine Fachkraft anstellen wollen, nicht entsprechend bezahlen wollen. Es ist einfach alles vollkommen überflüssig, aber solche Dinge passieren. Gegen manches kann man sich wehren, anderes muss man hinnehmen.
Zusätzlich kommen, nicht zuletzt wegen des trüben Wetters, viele alte Gedanken und Erinnerungen hoch. Jede einzelne Bewerbung, die abgelehnt wird oder auf die gar nicht weiter reagiert wird, gibt mir das Gefühl, nicht genug zu sein. Nicht so zu sein, wie man es gern hätte. Ich funktioniere nicht. Klar, ich muss es nicht, zumindest nicht für andere. Trotzdem, das Gefühl ist da. Und es tut weh. Es lässt mich mit allem hadern. Das sorgt im Allgemeinen zu ziemlich schlechter Laune bei mir. Vor allem, weil ich mich dagegen wehre. Ich will nicht unzufrieden sein. Ich will nicht hadern. Ich will nicht mit mir unzufrieden und schon gar nicht ungeduldig sein.
Doch dann halte ich inne. Und erinnere mich daran, dass es keinen Sinn macht sich zu wehren. Dass es dadurch nicht besser wird. Im Gegenteil, es wird nur schlimmer. Auch wenn es mir nicht passt, dass ich mich so fühle, wie ich es tue, es ist nun mal so. Also akzeptiere ich, dass es so ist. Es ist OK, dass ich mich so fühle. Es ist in Ordnung, wütend zu sein, über die aktuellen Umstände es wird sie nicht ändern. Doch mich wird die Akzeptanz und damit auch das nach und nach Ziehenlassen meiner Gefühle und Gedanken, mit der Zeit mein inneres wiede ins Gleichgewicht bringen. Und wann, wenn nicht in Zeiten der Ungewissheit und Ungeduld kann ich mich besser in Geduld üben?

Bildquelle: PIRO4D/Pixabay

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