Was ich mir zum Muttertag wünsche #muttertagswunsch

Gerade erst gestern hatten mein Mann und ich das Thema. Und dann lese ich heute diesen Beitrag bei Mutterseelesonnig. Darin geht es kurz darum, was wir uns zum Muttertag wünschen. Also wirklich wirklich wünschen, was wir wirklich wirklich gebrauchen könnten. Sprich keine Pralinen, Blumen, Wellness-Tage whatever. Schliesslich sind wir nicht nur diesen einen Tag Mutter. Oder Vater. Oder Familie. Sondern das ganze Jahr und das 24/7.

Mit dem, was Mutterseelesonnig in ihrem Beitrag schreibt, gehe ich absolut mit. Allerdings habe ich, nach dem heutigen Tag doch einen Wunsch, der über das Bedürfnis nach mehr Unterstützung, egal ob finanziell oder in Form von Betreuung, hinaus geht. Etwas, was, wie ich finde, verdammt schwer zu finden ist: ein guter Arzt. Einer, der nicht auf Statistiken schaut, nicht nach Schema F, sondern tatsächlich auf die Person. Oder in diesem Fall, das Kind. Ich habe in der Hinsicht selbst eine Odysee hinter mir. In meiner Kindheit gab es bei weitem noch nicht so viele Diagnosemöglichkeiten und wirklich Wert aufs Kind wurde ohnehin nicht gelegt. Da gabs dann schnell einen Stempel drauf und so wurde entsprechend weiterbehandelt. Mit den Folgen kämpfe ich immer noch. Wenn Dir Dein Leben lang gesagt wird, Du bist zu dick, dann bleibt das einfach hängen. Dabei setzt sich das Gewicht aus mehreren Faktoren zusammen und schwer heisst nicht automatisch fett. Ebenso wenig, wie leicht automatisch dürr und unterernährt bedeutet.
Wie ihr wisst, war die kleine Dame zur Geburt sehr klein und sehr leicht. Sie lag schon da vom Gewicht knapp an der untersten Perzentilenkurve. Seit sie sich drehen kann, liegt sie darunter, denn seit sie Bewegung in jeglicher Form für sich entdeckt hat, hält sie nichts mehr. Das ist auch gut so, Bewegung schult die Sinne und trainiert die Muskulatur. Sie wächst auch gut, hat jetzt mit 11 Monaten knapp 70 cm.
Dennoch, bei der gestrigen U6 Vorsorgeuntersuchung wurde wieder versucht uns einzureden, sie wäre nicht normal, man müsse schauen, ob eine Störung vorliege. Sie hat schön in ihrer Kurve zugenommen, liegt mit 80 g pro Woche mitten in der Empfehlung der WHO. Aber eben unter der statischen Kurve. Ebenso ist sie schön in ihrer Kurve gewachsen. Dass, mal wieder, falsch Maß genommen wurde, lass ich mal ausser Acht. Zuhause komme ich nämlich auf andere Werte, da macht sie allerdings auch mit und steht dabei (wird also wirklich bis zum Scheitel gemessen und nicht an der Kopfseite im Liegen). Trotzdem, der Stempel ist drauf: zu klein, zu leicht. Als ob es nichts anderes gibt, als Körpergröße und Gewicht. Die motorische, geistige und soziale Entwicklung, welche eigentlich auch getestet und nicht in einem Fragebogen abgefragt werden sollte.
Minderwuchs muss erst nach vollendetem zweiten Lebensjahr und zweifacher Standardabweichung vom Normwert ausgeschlossen werden. Eine Therapie mit Wachstumsshormonen begänne, wenn, ohnehin erst mit 4 Jahren. Somit ist der Stress, der uns wieder einmal gemacht wurde, vollkommen überflüssig, da noch genug Zeit ist „aufzuholen“.
Mich trifft das Ganze insofern doppelt hart, weil ich selbst weiss, wie sehr so ein Stempel auf einem lastet. Und wie schwer es ist, egal in welchem Fachbereich, einen Arzt zu finden, der einen ernst nimmt. Einen als Individuum betrachtet und nicht eine Schablone auflegt und danach arbeitet. Gerade Kinderärzten sollte doch klar sein, dass Kinder sich ganz unterschiedlich entwickeln. Dass jedes Kind seinen Entwicklungsfokus anders legt. Manche wachsen erstmal, andere nehmen erstmal zu, wieder andere Kinder stecken die Kalorien in ihre geistige oder motorische Entwicklung. Und doch werden Kinder nur anhand von Statistiken und Kurven bewertet und aus zwei Werten auf die komplette Entwicklung Rückschlüsse gezogen.
Das kann so wirklich nicht weiter gehen. Ärzte, die nicht so denken, sind leider Mangelware.

Was viele vergessen: Auch wenn die ganz Kleinen noch nicht sprechen oder Kleinkinder sich noch nicht ausdrücken können, sie verstehen, was man ihnen sagt. Und Worte tun auch ihnen schon weh und setzen sich im Unterbewusstsein fest. Ich stelle hier mal die gewagte Theorie in den Raum, dass nicht nur die Medien, sondern eben dieser genannte Umgang mit Kindern, seinen Anteil an Essstörungen im Kindes- und Jugendalter haben.

Deswegen, mein Wunsch für uns alle zum Muttertag: Ärzte mit mehr Empathie, mehr Blick über den Tellerrand, einem Sinn für das Individuum. Ärzte, für die Statistiken und Tabellen Hilfsmittel und keine absoluten Werte darstellen.

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