Faszination BLW, Familienbett und die Entdeckung der Schwerkraft

Ich möchte heute mal über ein paar Dinge schreiben, die mich aktuell beschäftigen, denen ich aber nicht unbedingt einen eigenen Beitrag widmen möchte, ich müsste sie sonst zu sehr aufblasen, um damit mehrere Beiträge zu füllen.

Wir haben uns für die Beikost ja für Baby Led Weaning entschieden. Seit etwa einer Woche vor Weihnachten isst meine Tochter auch so richtig mit. Irgendwie hat es Klick gemacht und sie fing an auch andere Dinge zu essen, als nur Gemüse. Klar, Gemüse ist immer noch das Nonplusultra, dazu eher saures Obst. Ausser Bananen, die gehen immer. Kohlenhydrate wie in den üblichen Sättigungsbeilagen findet sie eher doof und lässt sie im Allgemeinen liegen. Angeboten bekommt sie sie natürlich trotzdem immer wieder. Gestillt hat sie dann auch schlagartig von einem auf den anderen Tag weniger. Das hat mich, im ersten Moment, etwas traurig gestimmt, was vor allem daran liegt, dass es einfach am Anfang so schwierig für uns war unseren Weg zu finden. Es ist allerdings toll zu sehen, wieviel Spaß sie am Essen hat, am Erforschen der Nahrung und wie gern sie sich mittlerweile beim Essen mit uns „unterhält“.

Des öfteren lese ich von „Mischformen“ in Bezug auf BLW. Das bedeutet dann, dass das Baby entweder vor oder nach der Mahlzeit Brei rein gelöffelt bekommt, weil es ja sonst nicht satt wird. Nun ist das aber nicht so ganz der Sinn von BLW, geschweige denn Beikost im Allgemeinen. Beikost soll nämlich vorerst „nur“ den Mehrbedarf zur Milch decken. Milch sollte weiterhin Hauptnahrungsmittel sein. Das schnelle Ersetzen von Milchmahlzeiten, sei es Flasche oder Stillmahlzeit, ist eher eine von der Industrie geförderte Wunschvorstellung. In der Realität macht es keinen Sinn. Was tagsüber an Milch fehlt, wird sich dann eben später, z.B. nachts geholt. Im Grunde verschiebt man die Mahlzeiten nur. Beikost ist neben dem Abdecken des eventuellen Mehrbedarfs, die Zeit, in der Essen gelernt wird. Ja, richtig, Essen an sich muss gelernt werden, ebenso wie stillen erst gelernt wird, auch wenn die Anlagen dafür da ist. Ebenso wird in dieser Zeit der Unterschied zwischen Hunger und Durst gelernt. Auch das kommt nicht von allein. Mischformen sind daher etwas am Sinn der Beikost vorbei. Auch ist es keine Mischform, wenn das Kind normal Brei bekommt, aber ab und an Gemüsesticks zum Essen erhält. Hierdurch kann das Kind nämlich gar nicht selbst bestimmen, was es essen will, um seinen Mehrbedarf zu decken. BLW beruht darauf, dem Kind selbst die Möglichkeit zu geben zu entscheiden was und wieviel es essen möchte. Lässt man sie nämlich gewähren, ernähren sie sich von allein sehr ausgewogen und stopfen sich nicht nur mit Süßem voll, wie gerne suggeriert wird. Süß ist, so lange sie noch Muttermilch bekommen, recht uninteressant, denn Muttermilch an sich ist ziemlich süß.

Was ich auch sehr häufig lese sind Aussagen zum Familienbett, dass nicht richtig funktioniert, man sich dauernd weckt und deswegen das Kind ausquartiert wird. Ja, am Anfang wird man recht oft wach. Ist doch aber auch normal. Man ist ja doch einige Zeit damit beschäftigt einander kennen zu lernen, auf einander einzustellen und eine Symbiose zu bilden. Am Anfang hat das Baby natürlich auch noch recht oft Hunger oder braucht Nähe oder beides. Dann kommt irgendwann ein sehr langer und heftiger Schub, wo viel Nähe und Nuckeln und unruhiges Schlafen angesagt ist. Das ist wohl die Zeit, in der die meisten Babies aus dem Bett ihrer Eltern ausziehen müssen. Ja, das ist mega anstrengend. Wir haben 6 Wochen lang nachts wieder alle anderthalb bis zwei Stunden gestillt, das war sehr kraft zehrend. Nicht lange danach hat meine Tochter allerdings beschlossen, dass sie lieber im Bett Nickerchen machen möchte, nicht mehr im Arm. Es hat sich also gelohnt durchzuhalten. Danach wurden auch die Nächte ruhiger, die Abstände länger und länger. Mittlerweile werde ich nur noch wach, wenn sie in der zweiten Hälfte der Nacht zu mir gerobbt kommt und sich ankuschelt. Ansonsten gar nicht mehr. Wir sind so gut aufeinander eingespielt, dass wir nebeneinander schlafen können, ohne uns zu stören. Ich meine, wir Erwachsenen schlafen auch mit unserem Partner in einem Bett ohne uns zu stören. Warum sollte das nicht mit unseren Kindern nicht auch passieren?

Und schlussendlich immer wieder die Frage nach dem Gewicht. Ja, ich habe mir da auch so meine Gedanken gemacht, obwohl ich eigentlich durch die Geburt nochmal abgenommen habe. Dennoch habe ich etwas das Gefühl zu viel zu essen. Ein Blick auf die Waage hat mich eines besseren belehrt. Ich halte konstant mein Gewicht nach der Geburt, was vermutlich auch am Stillen liegt. Nur mein Bauch…naja, der war auch vorher schon nicht knackig, das wird er wohl auch nie mehr werden. Und Sport an sich, hm, wann? Tja, ich habe festgestellt, Baby und Sport lässt sich auch ohne Kurs wunderbar vereinbaren – nämlich dann, wenn Baby anfängt die Schwerkraft zu entdecken und damit auch irgendwann die Objektpermanenz. Ernsthaft, wenn alle 60-90 Sekunden das Spielzeug am Boden liegt und das Baby das gern als „Kran“ wieder aufheben möchte, das geht auch mit einem 5 kg-Leichtgewicht auf die Muskeln. Warum also dem Baby nicht den Spaß des Runterwerfens gönnen und für sich selbst nicht gleich eine kleine Sporteinheit draus machen? Es bringt den Kreislauf in Schwung, aktiviert Muskeln die lange nicht genutzt wurden und es macht auch noch beiden Spaß. Ein paar Minuten jeden Tag reichen ja vollkommen aus. Gleichzeitig wird auch noch der Wunsch nach Nähe gestillt und das Hoch und Runter trainiert auch noch Babies Sinne. Was kann es besseres geben?

In diesem Sinne eine gute Nacht. Ich kuschele mich jetzt zu meinem Töchterlein, wer weiss, wie lange sie das noch möchte.

 

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