Eine kleine Lektion in Gleichmut

Ich habe vor kurzem vom Leben eine Lektion in Gleichmut erhalten, die mir zusätzlich noch sehr deutlich gemacht hat, wie schwer es ist, die Balance zwischen gesellschaftlichen Konventionen, die leider notwendig sind, um ein Zusammenleben zu ermöglichen und eben jener so wichtigsten Übung der Achtsamkeit, nämlich Gleichmut, zu halten.

Kurz zu den Umständen: Zum Tag der Deutschen Einheit kamen meine sonst so gar nicht spontanen Schwiegereltern auf die Idee uns ganz spontan zusammen mit meiner Schwägerin und deren Kindern zu besuchen. Wir hatten bereits des öfteren nachgefragt, doch irgendwie war nie Zeit.Jetzt auf einmal dann doch. In die vorherige Planung sind wir nicht eingebunden worden. Mich persönlich hat bereits dies schon sehr geärgert, denn ich bin absolut kein Freund von derartig spontanen Besuchen. Generell tue ich mich schwer jemanden in meinen sicheren Hort zu lassen. Dafür brauche ich immer etwas Vorbereitungszeit, selbst, wenn ich die Personen kenne und es sich um Familienmitglieder handelt. Meine Wohnung ist so meine letzte Bastion gegen die Welt da draussen. Der Ort, an dem ich meditieren und ruhen, einfach sein kann, ohne dass irgendwas von mir verlangt wird. Nun konnten wir aber natürlich nicht „Nein“ sagen, zumal mein Mann auch gerade frei hatte (sonst hätte es nämlich geheissen, wir wollen ja nicht). Es wurde beschlossen, dass man ja in den Zoo gehen können (es hat natürlich niemand bedacht, dass an einem Feiertag dort sehr voll sein würde). Unser Besuch kam zur Mittagszeit, unglücklicherweise als meine Tochter gerade schlafen wollte. Dieser reichte der Ansturm innerhalb kürzester Zeit. Klar, wer mag schön müde von anderen Menschen belagert werden. Daher machte ich den Vorschlag, dass wir erstmal gemeinsam essen, während sie schläft und dann in den Zoo fahren. Man wollte aber sofort wieder los. Die Kleine könnte doch unterwegs schlafen. Dagegen habe ich mich gewehrt, was dazu führte, dass alle anderen sofort in den Zoo fuhren, ich mit der Kleinen zuhause blieb und sie in Ruhe schlafen konnte. Nach der Rückkehr aus dem überfüllten Zoo, wollten wir eigentlich gemeinsam Kaffee trinken. Doch es mussten erst Bilder gemacht werden. Die kleinere Nichte (3 Monate) wurde einfach in der Wippe meiner Tochter geparkt, der großen (2,5 Jahre) durch meine Schwiegermutter erlaubt mit den Spielsachen meiner Tochter zu spielen, ohne Rücksprache mit uns. Die Mutter der beiden liess sich, während ihr mittlerweile hungriges Kind in der Wippe geparkt war, Kuchen und Kaffee schmecken. Danach wurde kurz gestillt und dem Baby der Schnuller in den Mund gestopft.

Nachdem unser Besuch weg war, mussten mein Mann und ich erst einmal kräftig durch schnaufen. Ich als kleiner Hitzkopf war schon froh, dass ich nicht explodiert bin, auch wenn ich mehrmals kurz davor war. Ich konnte jedoch innerlich immer wieder diesen kleinen gedanklichen Schritt Abstand nehmen. Geärgert habe ich mich dennoch. Vor allem darüber, wie mit uns umgegangen wurde. Gefühlt habe ich mich wie der Pausenclown der herhalten soll, weil jemandem nichts anderes einfällt. Wie etwas auf der To-Do-Liste, das nun abgehakt werden konnte. Mir gegenüber bin ich ähnliches gewohnt, meinem Kind gegenüber empfand und empfinde ich es mehr als unfair.

Die ganzen Eindrücke haben mich nachdenklich werden lassen. Einerseits versuche ich durch Achtsamkeit meine Anhaftung an Dinge zu reduzieren. Andererseits habe ich keine andere Möglichkeit gesehen, als das Spielzeug meiner Tochter (ihr und unser Eigentum) gegen die ungefragte Nutzung zu verteidigen. Selbstverständlich hätten wir es erlaubt. Doch die Konventionen im Umgang miteinander gebieten nun einmal, dass man sich nicht einfach bedient. Denn, auch wenn ich versuche mein Herz nicht zu sehr an materielles zu hängen, so ist es eben doch etwas schönes Dinge zu besitzen. Ich teile mein Eigentum wirklich gern, jedoch muss das Teilen dann auch von mir kommen und nicht quasi erzwungen werden.

Mich wollte dann schon halbwegs das schlechte Gewissen befallen, wo ich doch so darauf bedacht bin mich von Anhaftungen zu lösen, bis ich zu mir selbst sagte: „Hej, Du bist ein Mensch. Dein Verhalten ist menschlich. Akzeptiere, dass es so ist.“ Da wurde mir bewusst, manchmal muss man Gleichmut auch sich selbst gegenüber üben.

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