Brot und Spiele – Fernsehshows als moderne Arenakämpfe

Eine weitere Staffel „Deutschland sucht den Superstar“ geht zu Ende, für eine neue im nächsten Jahr wird bereits wieder gecastet. Im Januar lief wie jedes Jahr „Das Dschungelcamp“ und auch „Supertalent“ und „The Voice of Germany“ haben beziehungsweise hatten neue Staffeln am Start. Dazu gibt es altbekanntes mit neuem gemischt in Form von Shows wie „Newtopia“. Auch von „Big Brother“ wird es wohl eine neue Auflage geben.

Diese Shows haben vor allem eines gemeinsam: sie sollen ein möglichst breites Publikum unterhalten. Die einen bedienen ein gewisses Bedürfnis nach Voyeurismus und einen gewissen Genuss am Fremdschämen. Die anderen bieten sympathische Personen, mit denen man sich identifizieren kann.

Ab und an sehe ich mir solche Shows durchaus gern an. Weniger, weil ich daran glaube, dass dabei echte Talente entdeckt werden, denn wer sich lange am Markt halten will, kommt um die harte Realität und damit verbundene Arbeit nicht herum. Mich interessiert mehr der Aufbau, die Art und Weise, wie Menschen sich vor der Kamera inszenieren und inszeniert werden, um die Menschen vor dem Bildschirm zu bespaßen.  Denn ein bisschen hat es schon was von den Arenen in Rom. Es werden zwar keine blutigen Gladiatorenkämpfe ausgeführt, doch Kämpfe gibt es immer noch, nur auf anderer Ebene. Es treten Talente gegeneinander an, Persönlichkeiten, Lebensläufe. Heute wird nicht mehr das Schwert geschwungen, sondern das Wort oder der Gesang oder irgendeine andere Art von Talent. Man stellt sich zur Schau, in der Hoffnung, das Publikum zu begeistern und, im übertragenen Sinne, weiter leben zu dürfen. Denn auch ein Gladiator konnte und durfte nur weiterleben, wenn es das Publikum so wollte.

Besonders gut zu beobachten ist dies vor allem in Shows wie „Big Brother“ oder „Das Dschungelcamp“. Denn hier muss man nichts können oder leisten, sondern sich wirklich nur selbst zur Schau stellen. Und da gibt es die unterschiedlichsten Strategien, angefangen bei Polarisieren um jeden Preis bis hin zu total unauffällig unterm Radar bewegen. Letzteres war vielleicht als Gladiator nicht ganz so hilfreich und doch kam man nur mit dem Leben davon, wenn man das Publikum unterhielt und über seine Kontrahenten siegt. Und genauso funktionieren auch diese Fernsehshows. Sie befriedigen die Bedürfnisse und Sensationslust der Zuschauer. Und sie sind ein Sprungbrett in die schöne heile Glitzerwelt der A B C Prominenz. Denn im Grunde wollen alle nur das eine: berühmt werden. Denn wer berühmt ist, wer bekannt ist, der wird nicht im nächsten Arenakampf getötet. Glaubt man, hofft man. Gleichzeitig wird man wie von einer Sucht von einem Rampenlicht ins nächste, von einer Show in die nächste getrieben. Bis dann ein besserer Kämpfer kommt und einem endgültig die Schau stiehlt.

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