Update Gestationsdiabetes – wie ist es mir bisher ergangen?

Vor ein paar Wochen habe ich ja die Diagnose des Gestationsdiabetes bekommen. Nachdem ich gestern, nach 3 Wochen, einen Kontrolltermin bei meiner Diabetologin hatte und diese so zufrieden war, dass ich erst in 4 Wochen wieder kommen muss, wollte ich meine Erfahrungen der letzten Wochen schildern.

Nach dem ersten Schock, den ich ja schon hier beschrieben habe, geht es mir mittlerweile wieder ziemlich gut. Was ich auch der Diabetologin zu Gute halte, denn sie hat mir sehr viel Angst genommen. Wenn man erstmal verstanden hat, worum es bei dieser Diagnose eigentlich geht und warum die enge Überwachung der Werte so wichtig ist, ist es auch irgendwie nicht mehr so schlimm.

In diesem Zusammenhang habe ich mich natürlich auch mit meiner beziehungsweise unserer Ernährung auseinander gesetzt. Was mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist, ist die „Verteufelung“ von Kohlenhydraten, insbesondere durch natürlich durch Abnehmseiten und -gruppen. Denn der Begriff Kohlehydrate wird immer mit Zucker gleich gesetzt, ohne weiter zu differenzieren. Dazu wird auch ausser Acht gelassen, dass Zucker unser wichtigster Nährstoff ist, denn er liefert die Energie für unsere Körperfunktionen.

Zucker ist nicht gleich Zucker

Kohlenhydrate ist der Oberbegriff für die drei Arten von Zucker die es gibt:

1) Einfachzucker (Monosaccharide)

Der sogenannte Einfachzucker besteht aus einem einzelnen Zuckermolekül (sagt der Name ja irgendwie schon). Das bedeutet, der Körper hat keinen Aufwand den Zucker in diese kleinste Form aufzuspalten und kann ihn direkt aufnehmen. Damit ist sofort Energie da. Ausserdem übernimmt diese Art von Zucker auch Funktionen als Zellbaustein. Einfachzucker sind zum Beispiel Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fructose). Entsprechend führt die Aufnahme dieser Zuckersorten zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels.

2) Zweifachzucker (Disaccharide)

Die sogenannten Zweifachzucker bestehen (na, wer ahnt es?) aus zwei Zuckermolekülen. Diese werden bei der Aufnahme durch den wieder in Einfachzucker aufgespalten, der dann wiederum als Energielieferant und Zellbaustein dient. Der wichtigste und bekannteste Zweifachzucker ist die Saccherose, der aus Zuckerrüben, -rohr oder -palme gewonnene Industriezucker, mit dem wir heutzutage so ziemlich alles süßen. Ein weiterer Zweifachzucker ist auch die Lactose, der Milchzucker, der in Milch, sowie den meisten Milchprodukten vorkommt.

3) Mehrfachzucker (Polysaccharide)

Mehrfachzucker bestehen aus langen Ketten von Zuckermolekülen. Diese bei der Verdauung aufzuspalten, bevor sie als Einfachzucker vom Körper aufgenommen werden, dauert um einiges länger als bei den Zweifachzuckern. Das führt übrigens auch zu einem längeren Sättigungsgefühl. Stärke ist der bekannteste Mehrfachzucker.

Und was hat Insulin und der Gestationsdiabetes damit zu tun?

Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse produziert und funktioniert wie eine Art Schlüssel für den Zucker. Denn Insulin „öffnet“ die Zellwände, so dass der Zucker aufgenommen und dort weiter verarbeitet werden kann. Während der Schwangerschaft wird diese Funktion durch die Hormone blockiert. Deswegen spricht man auch von einer hormonell bedingten Insulinresistenz. Diese kann unterschiedlich stark ausfallen, so dass man nicht vorhersagen kann, wer den Diabetes nun ausbilden wird und wer nicht, so wie es früher oft geschehen ist. Sicher haben manche Frauen ein höheres Risiko die Insulinresistenz während der Schwangerschaft zu entwickeln, doch man kann eben nicht nur auf diese „Risikogruppen“ abstellen.

Der Gestationsdiabetes wird heute so häufig diagnositiziert, weil es sich um ein generelles Problem der Gesellschaft handelt. Denn Zucker, und zwar meistens Einfach- und Zweifachzucker, wird heute bei vielen Lebensmitteln zugefügt. Oft auch dort, wo er eigentlich nichts zu suchen hat. Dadurch haben wir heutzutage im Grunde ein Überangebot an Zucker. Und die Konsequenz daraus ist, dass die Gefahr, dass viel mehr Zucker als von Mutter und Kind benötigt, zugeführt wird. Dieser verbleibt im Blut, wird über die Plazenta an das Baby weitergegeben und dieses muss dann mehr Insulin produzieren, um den Zucker abzubauen. Deswegen ist es so wichtig, die Zuckerwerte zu überwachen. Zusätzlich muss man sich auch Gedanken über die eigene Ernährung machen und vielleicht die ein oder andere Gewohnheit hinterfragen.

Denn die Mischung machts

Wichtig zu bedenken ist vor allem eines: keine Zuckerart an sich ist „böse“ und allein für Probleme wie Übergewicht oder Diabetes verantwortlich. Wie bei so vielem, kommt es auf die Kombination an. Denn nicht nur Zucker, sondern auch bestimmte Fettsäuren und Ballaststoffe sind wichtig für unseren Körper. Deswegen ist es so wichtig die Ernährung gut auszubalancieren. Wird beispielsweise ein Einfach- oder Zweifachzucker mit Ballaststoffen kombiniert, zum Beispiel frisches Obst zum Müsli, dann wird die Aufnahme des Zuckers verlangsamt und er geht nicht so schnell ins Blut. Und dadurch, dass der Zucker langsamer in die Blutbahn gelangt, steigt dieser zum einen langsamer an, gleichzeitig verteilt sich die gewonnene Energie über einen größeren Zeitraum. Das wiederum gibt uns auch ein längeres Sättigungsgefühl. Im Idealfall können wir Ballaststoffe, Fettsäuren und Kohlenhydrate (also Zucker) miteinander kombinieren. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass der Anteil an Ein- oder Zweifachzucker relativ gering gehalten wird, während der Anteil an langkettigen Kohlenhydraten möglichst hoch sein sollte. Das ist zum Beispiel bei Gerichten mit Gemüse, Fleisch und Beilagen wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln aus Vollkorngrieß der Fall.

An dieser Stelle ein kurzes Wort zum Weizen und Vollkornprodukten: Nudeln bestehen im Normalfall aus Hartweizengrieß. Dieser wird normalerweise aus Weizenauszugsmehl. Auch wenn weisses Weizenmehl genauso Stärke enthält, so wird diese schneller verstoffwechselt und ist somit auch schneller aufgespalten und im Blut. Das ist bei Vollkornmehl nicht so. Auch unterscheiden sich die Getreidesorten untereinander. So hat Dinkelvollkornmehl einen höheren Gehalt an Kohlehydraten, als zum Beispiel Weizenvollkornmehl. Ich habe ausserdem den Eindruck, dass Produkte aus Dinkelvollkorn daher auch wesentlich mehr sättigen, als aus Weizenvollkorn (wir haben das mal anhand von Nudeln getestet).  Bei Vollkornbroten ist es immer wichtig einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen. Denn es wird diesen Broten oft Malzsirup oder Invertzucker zugefügt. Beides lässt das Brot süßlich schmecken und färbt sie braun bis fast schwarz. Echtes Vollkornbrot ist jedoch eher grau. Auch wenn braunes Brot eventuell ansprechender aussieht. so sorgt der enthaltene Zucker wieder für einen rapiden Anstieg des Blutzuckerspiegels und der ganze Effekt der langkettigen Kohlenhydrate aus dem Vollkornmehl ist hinüber.

Übrigens, für alle Süßschnäbel sicher interessant zu wissen: Schokolade, vor allem dunkle, hat zwar einiges an Zucker, aber enthält auch durch die Kakaobutter einiges an Fett. Dadurch wird die Aufnahme des enthaltenen Zuckers etwas verlangsamt. Mit Genuss und ganz in Ruhe und bewusst gegessen, darf man sich also diese auch leisten. Auch mit Gestationsdiabetes. Wenn also der Heißhunger kommt, sich wirklich mal eine Auszeit damit nehmen und ganz in Ruhe geniessen.

Ansonsten Bewegung

Übrigens: Bewegung senkt den Blutzucker. Wenn also der Heißhunger zuschlägt oder man sich doch statt eines ordentlichen Mittagessens das süße Teilchen beim Bäcker gegönnt hat, dann einfach ein bisschen Bewegen. Dabei reicht ein kleiner Spaziergang schon aus. Oder ein bisschen Treppen steigen. Selbst den Haushalt zu erledigen, hilft den Blutzuckerspiegel zu senken, so doof es klingt. Nach dem Essen den Geschirrspüler einräumen oder Abwaschen, Staub saugen, Wäsche machen…das alles hilft, ohne große zusätzliche Bewegung, den Blutzucker ein wenig im Zaum zu halten. Es ist also möglich das alles irgendwie in den Alltag zu integrieren.

Wer übrigens kein Problem mit dem Pieksen hat, dem kann ich nur empfehlen seinen Blutzucker noch ein wenig genauer zu beobachten. Man lernt sehr sehr schnell was sich wie auf den Blutzucker auswirkt, welche Lebensmittel oder Getränke wie schnell den Blutzucker steigern – und wie schnell dieser nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel auch wieder sinken kann.

Zum Schluss noch ein Wort zu low carb und no carb

Immer wieder lese ich, dass man sich low carb, also mit so wenig Kohlenhydraten wie möglich oder sogar no carb, also quasi komplett ohne Kohlenhydrate ernähren soll, um rank und schlank zu bleiben. Es wäre ja besser für den Körper. Grundsätzlich ist sicher dagegen nichts einzuwenden, wenn es, gerade bei no carb, medizinisch überwacht wird. Denn es ist eine sehr große Umstellung für den Körper seine Energie aus anderen Quellen zu gewinnen. Es kann sicher unter bestimmten Umständen Sinn machen, dem Körper für einige Zeit die Kohlenhydrate vor zu enthalten, jedoch sicher nicht auf Dauer.

Was in meinen Augen so überhaupt gar nicht geht, ist Kindern low carb oder no carb Ernährung zu zumuten. Kinder sind noch voll mit der Entwicklung und Wachstum beschäftigt und brauchen entsprechend viel Energie. Diese bekommen sie am besten aus Kohlenhydraten, am besten langkettigen, durch eine gute ausgewogene Ernährung. Im Gegensatz zu vegetarischer oder veganer Ernährung, bei der Eisen und Proteine auch durch andere Nahrungsmittel zugeführt werden können, geht dies bei low und no carb nicht. Deswegen halte ich persönlich (und ich betone hier nochmals, dass es sich um meine persönliche Meinung basierend auf meinen gesammelten Erfahrungen handelt).

Wogegen, in meinen Augen, jedoch gar nichts spricht ist, beispielsweise das Abendessen eher kohlenhydratarm zu gestalten. Ein leichtes Abendessen belastet auch den Verdauungstrakt nicht so sehr, was es auch leichter macht den Tag ausklingen zu lassen. Dennoch, tagsüber sollte niemand auf Kohlenhydrate verzichten, denn sie werden dringend vom Körper benötigt. Es ist wichtig auf einen gleichmäßigen Blutzuckerspiegel zu achten, denn so vermeidet man Unterzucker und damit auch extreme Heißhungerattacken auf Süßigkeiten. Letztere können zwar trotzdem auftreten, sind aber dann nicht unbedingt immer aus der Ernährung bedingt. Man hat ja auch immer mal Stress. Apropos Stress: Auch Stress treibt den Blutzucker nach oben. Mit ein Grund gerade in der Schwangerschaft auf ein ausgeglichenes Umfeld zu achten. Insbesondere dann, wenn es die Diagnose Gestationsdiabetes bereits gab.

Das als kurzer Überlick über das, was ich in der letzten Zeit an Erfahrungen gesammelt habe. Von der ursprünglichen Angst und dem Gefühl alles falsch zu machen, bin ich bei einem sehr interessanten Lernprozess angekommen. Alles, was ich jetzt über mich und meinen Körper lernen kann, kann ich später auch mit Kind anwenden. Und vor allem gute und gesunde Ernährung tatsächlich vorleben.

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