Das Metta Experiment – Tag 6

Nach einem Tag „Pause“ von meinem Experiment (ich habe natürlich trotzdem meditiert), habe ich mich nun heute der nächsten Übung zuwenden können.

Übung 8: Die neutrale Person

Bisher haben wir metta an uns selbst, einen Wohltäter und, so vorhanden, an eine/n Freund/in gesendet. Da sich metta an alle Lebenwesen richtet, ist es nun an der Zeit den nächsten Personenkreis auszuweiten: eine neutrale Person. Das heisst, eine Person, zu der wir keine besondere Beziehung haben, zu der wir keine Zu- oder Abneigung empfinden. Wobei gerade letzteres schwierig ist, da wir meistens zu jedem Menschen eine bestimmte Empfindung entwickeln (ich mag nicht urteilen sagen, auch wenn es letztendlich das ist). Es sollte jemand sein, den wir ab und an sehen, wie z.B. eine Verkäuferin, der Postbote, eine Busfahrerin … Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Dies ist insofern wichtig, als dass die Aussendung von metta an diese Person, unsere Gefühle für sie verändern und die Person in ein anderes Licht stellen kann. Damit ist nicht gemeint, dass wir uns urplötzlich in jemanden verlieben oder jemanden auf einmal symphatischer finden. Wir beginnen aber diese Person als jemanden zu sehen der, wie wir, danach strebt in seinem Leben glücklich zu werden.

Diese Übung beginnen wir damit, zunächst metta an uns selbst senden. Anschliessend wenden wir uns einem Menschen zu, zu dem wir bereits Liebende Güte empfinden – sei es unser Wohltäter oder ein/e Freund/in. Dann meditieren wir über den Wunsch der neutralen Person glücklich zu sein, der mit unserem eigenen Wunsch übereinstimmt und lenken die metta Sätze an diese Person. Die von Sharon Salzberg vorgeschlagenen Sätze sind folgende:

„Mögest Du frei sein von Gefahr.“ „Mögest Du geistiges Glück haben.“ „Mögest Du körperliches Glück haben.“ „Mögest Du leicht durchs Leben gehen.“

Sollten sich beim Meditieren Schmerzen entwickeln, z.B. durch unbequemes Sitzen, kann natürlich die Position geändert werden. Dies sollte so behutsam wie möglich geschehen, bis wir wieder eine bequeme Sitzpostion haben. Sollte uns bei der Meditation langweilig werden, können wir erneut und selbst oder einem Menschen, den wir mögen, metta senden und uns im Anschluss wieder der neutralen Person zuwenden.

Eine neutrale Person zu finden, ist wirklich nicht leicht. Denn zu fast jeder Person, die einem begegnet, empfinden wir Sympathie oder Antipathie in unterschiedlicher Stärke. Es gibt kaum jemanden, für den wir gar keine Empfindung haben (auch wenn man das gerne mal so sagt). Ich bin da nicht anders (und würde das auch nie behaupten). Also grübelte ich eine Weile darüber nach und entschied mich letztendlich eine der Verkäuferinnen aus dem Supermarkt, zu dem wir regelmäßig gehen, zu meiner neutralen Person zu machen. Vor allem deswegen, weil sich ihr gegenüber Sympathie und Antipathie in meinen Empfindungen die Waage halten.

Während meiner Meditation kamen mir noch andere Personen in den Sinn, die mir regelmäßig über den Weg laufen, ich jedoch weitestgehend als neutral empfinde. Also habe ich diesen ebenfalls metta gesendet, denn es fiel mir schwer, mich auf die ursprünglich gewählte Person zu konzentrieren, ohne den mir vor dem geistigen Auge erscheinenden Personen nicht ebenfalls metta zu senden. Meditiert habe ich insgesamt zwanzig Minuten. 5 Minuten habe ich darauf verwendet metta an mich selbst zu senden, nochmals 5 Minuten für die Aussendung an eine liebe Person, in diesem Falle meine Wohltäter (siehe hier). Die restliche Zeit habe ich metta an die neutrale Person beziehungsweise Personen gesendet. (Für die Zeiteinteilung habe ich eine App verwendet und sowohl die Gesamtdauer meiner Meditation, als auch die Häufigkeit der Gongklänge eingegeben.)

Meditiert habe ich ohne Musik, jedoch war es mir hier auch wiederum möglich einen Zustand recht tiefer Entspannung zu erreichen. Und dies, obwohl ich gedanklich gerade in den ersten Minuten der Meditation immer wieder abgeschweift bin. So langsam werde ich in der Hinsicht etwas geübter.

Was mir in den letzten Tagen aufgefallen ist, ist das die Menschen um mich herum wesentlich freundlicher wirken. Es kann natürlich auch am Wetter liegen, immerhin scheint endlich die Sonne. Auf der anderen Seite sind die Ferien vorbei und damit auch die Urlaubszeit. Wieder arbeiten zu müssen, sorgt ja meistens mehr für schlechte Laune. Aber irgendwie wirken viele in meiner Wohngegend irgendwie…zufriedener? Keine Ahnung. Besonders aufgefallen ist es mir beim Einkaufen. Klar gut, wir waren unter der Woche einkaufen, da ist es bei weitem nicht so voll. Aber wenn nicht nur eine Verkäuferin einen anstrahlt und am liebsten ein langes Gespräch anfangen will und mit einem scherzt, dann fällt das schon auf. Und irgendwie, ich weiss nicht, ich mag nicht glauben, dass es nur am sich breit machenden Frühling liegt.

Wer weiß, vielleicht hat sich meine Ausstrahlung geändert. An meinem Babybauch liegt es eher weniger, denke ich, den hab ich ja nun schon eine Weile. Ich bin allerdings gespannt, ob sich im weiteren Verlauf meines Experimentes noch mehr ändert oder heraus kristallisiert.

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