Das Metta Experiment – Tag 5

Die nächsten drei Übungen aus Sharon Salzbergs Buch habe ich übersprungen. Dennoch möchte ich sie hier natürlich vorstellen und auch erläutern, warum ich sie ausgelassen habe. (Das hat nämlich nichts mit Faulheit oder ähnlichem zu tun.)

Übung 5: Nachdenken über das Glücklichsein

Bei dieser Übung soll man sich selbst die Frage stellen: „Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein?“ Es ist, einfach auch für das weitere Vertiefen und Gelingen der metta Meditation und dem Erreichen des eigenen Glücks, wichtig, sich ehrlich diese Frage zu stellen – und sie entsprechend ehrlich zu beantworten. Was wiederum bedeutet, dass wir hinterfragen sollten, ob vorübergehendes, an materielle Dinge, bestimmte Menschen oder Situationen gebundenes Glücksempfinden, wirklich das Höchste für uns ist, was wir erreichen können (und wollen).

Diese Übung habe ich deswegen nicht gemacht, weil es eine Fragestellung ist, mit der ich mich bereits sehr lange selbst auseinander setze. Nicht erst seit Beginn meiner Meditationspraxis, sondern bereits lange davor. Denn mir war schon früher bewusst, dass materielle Dinge schön sind und das Erreichen bestimmter Meilensteine (welcher Art auch immer) Glücksgefühle hervor rufen, doch diese sind nie von Dauer. Mir war auch früh klar, dass es keinen Sinn macht, daran festzuhalten, sondern es besser ist, diese Momente zu geniessen, sie bewusst wahrzunehmen und sich gegebenenfalls der Erinnerung daran zu erfreuen. Nicht weh- oder reumütig, sondern einfach ein Erinnern an dieses Gefühl. Von diesem Erkennen aus, kam ich dann auch für mich zu den Fragen: „Was bedeutet Glück für mich?“ und „Was macht mich glücklich?“

Zur ersten Frage: Glück bedeutet für mich Zufriedenheit, Ruhe und Akzeptanz. Ich meine damit nicht Ungerechtigkeiten oder Mißstände hinzu nehmen. Ich meine damit, sich seiner Situation bewusst zu werden und sich selbst im Streben zu hinterfragen. Ich kann für mich sagen, dass ich mit meiner Grundsituation zufrieden bin, mir diese Ruhe und Kraft schenkt und mir hilft, vieles im Alltag zu akzeptieren. Ich habe eine Familie. Ich habe eine Wohnung und wohne dazu noch in einer netten Nachbarschaft. Ich bin körperlich und geistig gesund (gelegentliche Zipperlein zählen in diesem Falle nicht als Krankheit). Das Wissen darum macht mich zufrieden und diese Zufriedenheit lässt mich Glück empfinden. Gleichzeitig weiss ich, dass dies nicht unbedingt von Dauer sein muss. Man kann sich streiten, Nachbarn können weg ziehen und ich kann ernsthaft krank werden (z.B. durch Umwelteinflüsse). Doch ich kann dies akzeptieren, denn es ist der Lauf der Dinge. Ich genieße es, erzwinge aber nichts.

Natürlich gibt es etwas, was ich mir sehr wünsche, denn es würde mir helfen, den von mir gewählten Weg, nachdem ich ihn nun endlich gefunden habe, weiter zu gehen. Dafür sind jedoch materielle Mittel, sprich Geld, notwendig. Denn, genauso wie materielle Dinge, ist auch Wissen heutzutage nicht umsonst und in meinem Falle handelt es sich um eine Ausbildung, die selbst zu finanzieren ist. Diese Ausbildung gäbe mir die Möglichkeit den von mir gewählten Weg weiterzugehen. Doch ich weiss, dass ich auch noch viel Zeit habe, die nächsten Schritte auf diesem Wege zu tun. Es liegen noch andere Aufgaben vor mir. Ob, wann und wie mir die Mittel für meinen Wunsch zur Verfügung stehen werden, weiss ich nicht. Das nehme ich so hin, denn es bringt mir nichts, mich danach zu verzehren, wenn ich doch daran nichts ändern kann. Geduld ist ein großer Schatz, denn irgendwann treffen wir auf unserem Lebenspfad auf genau an dem Punkt und der richtigen Wendung ein, zum richtigen Zeitpunkt. Wir können dies nicht sehen und in unserer Ungeduld versuchen wir dies zu erzwingen. Dass ich diese innere Unruhe ablegen kann, zumindest die meiste Zeit, hilft mir sehr mich auf das zu konzentrieren, was für mich zählt: Zufriedenheit, Ruhe und Akzeptanz.

Übung 6: Die Bedeutung von Freunden

Bei dieser Übung stehen die Fragen „Was bedeutet Freundschaft für mich?“, „Was schätze ich an meinen Freunden/Freundinnen besonders?“ und „Was möchte ich als Freund/Freundin anderen Menschen geben?“ im Vordergrund. Daraus entstehen weitere Fragestellungen, wie z.B. „An wen kann ich mich wenden, wenn ich in Not bin?“ oder „Gibt es jemanden, bei dem ich mich wie zuhause fühle? Und warum empfinde ich das so?“.

Hintergrund dieser Übung ist es, sich bewusst zu werden, dass Ängste etwas zu planen, zu unternemen, generell zu tun, leichter werden oder schwinden, wenn wir wissen, dass wir nicht allein sind. Der Buddha bezeichnet dies als „klugen Umgang pflegen“ und sieht darin eine der größten Quelle von Glück und Freiheit.

Nun, die Frage, was Freundschaft für mich bedeutet, war für mich nicht so schwer zu beantworten. Ich sehe Freunde als eine Art erweiterte Familie. Man kann sich vertrauen, nach Streit verzeihen, ist nicht nachtragend und vor allem, steht man in der Not zueinander (und nicht nur in guten Zeiten). So ähnlich werden es vermutlich die meisten sehen. Ich selbst möchte genau dies meinen Freunden geben und tue es auch. (Ja, ich weiss, dass beantwortet schon die dritte Frage. Geduld!) Ich bin jederzeit erreichbar (es gab tatsächlich mal jemanden, der meinte, das testen zu müssen und mich mitten in der Nacht anrief). Ich höre zu und bin da, egal wie nichtig mir selbst das Problem erscheinen mag (Menschen urteilen immer über andere und auch ich bin definitiv nicht frei davon für mich selbst ein Urteil zu fällen). Ich packe mit an, gebe Rat und ab und an durchaus auch finanzielle Hilfe, wenn es derer Bedarf (auch wenn es mir selbst finanziell meistens alles andere als besonders gut geht). Tja und was ist jetzt mit Frage zwei? Was schätze ich denn an meinen Freunden? Bei der Beantwortung dieser Frage muss ich innerlich immer erstmal etwas durchatmen. Denn, Freunde wie ich sie definiere, habe ich keine. Es gibt ein paar Menschen, die ich mangels eines anderen Wortes (Bekannte wäre wieder zu niedrig gefasst), Freunde nenne. Doch trifft es eben nicht das, was ich mir unter Freunden vorstelle. Es ist zwar eine gewisse Vertrautheit da, aber eben nicht die Verlässlichkeit, dieses „Zuhause fühlen“. Also habe ich keine Freunde. Und somit auch niemanden, den ich in diese Übung einbeziehen könnte. Für mich ist das nicht schlimm. Ich habe soziale Kontakte und ich denke, wenn unser Kind geboren ist, werden auch diese Kontakte in ihrer Zahl wachsen (es gibt dafür zum Glück einige Möglichkeiten vor Ort). Doch ich erwarte nicht, dass sich aus allem die von mir gewünschte Art von Freundschaft entwickelt. Eine Familie erweitert sich nicht einfach so. Nachdem ich für mich erkannt habe, dass mir die gelegentlichen sozialen Kontakte ausreichen, habe ich mich sehr entspannt. Ich weiss, dass ich hohe Ansprüche an einen Menschen habe, um ihn als Freund sehen zu können. Diese Ansprüche zu haben, sie aber dennoch nicht auf jeden Kontakt wie eine Schablone zu legen und jemanden hinein zwingen zu wollen, sorgt dafür, dass ich, was ich habe geniessen kann. Ich kann die bestehenden Beziehungen lockerer sehen, versuche nichts zu erzwingen und werde, vielleicht genau dadurch, ab und an positiv überrascht. Un das reicht mir.

Übung 7: Der geliebte Freund

Diese Übung beginnt mit dem Nachdenken über die wohltuenden Wirkungen von metta und der Bedeutung der Freundschaft für uns. Dann richten wir einige Minuten Liebende Güte an uns selbst. Danach denken wir an einen guten Freund oder eine gute Freundin. Wir sagen oder denken den Namen und stellen uns diesen Menschen vor unserem geistigen Auge vor. Es wird auch wieder empfohlen, eine Person zu wählen die am Leben ist und zu der wir kein sexuelles Verlangen empfinden. Wir können an eine liebenswerte Eigenschaft oder einen guten Charakterzug dieser Person denken. Oder wir erfreuen uns an seinem Wunsch nach Glück freuen. Dann lenken wir die Liebende Güte auf diese Person und wiederholen die Sätze der Liebende Güte, die wir für uns selbst auserwählt haben. So schliessen wir diesen Menschen in unsere Fürsorge ein. Sollten uns dabei noch andere Freunde einfallen, werden auch sie Teil unserer Aufmerksamkeit. Wir nutzen dabei weiterhin die für uns gewählten Sätze, es sei denn im Laufe der Übung ergeben sich neue Sätze.

Nun, aus den bereits beschriebenen Gegebenheiten ergibt sich logischerweise, dass ich keinen solchen Freund mit Liebender Güte bedenken kann. Ich hab zwar einen Seelenverwandten an meiner Seite, aber da diese Übung wiederum als Anfänger nicht auf eine Person, mit der wir auch sexuell verbunden sind, angewendet werden soll, kann ich ihn noch nicht einbinden.

Dies sind jedoch die einzigen Übungen, die ich im Rahmen meines Experimentes nicht machen konnte. Es kann natürlich sein, dass mir im Laufe meines Lebens noch Menschen über den Weg laufen, die ich als Freunde sehen kann.

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